Quer durch British Columbia – unsere Räucherkammer Kanadas

Quer durch British Columbia – unsere Räucherkammer Kanadas

Smaragdgrüne Seen in denen sich majestätische Berge spiegeln, dazwischen weite Täler, vielleicht ein paar putzige Bären und Blockhütten. Dort zu wandern und zu staunen, was Mutter Natur vollbracht hat, wollte ich immer schon. Doch 564 (!) Waldbrände, verteilt in gesamt British Columbia hüllen die Provinz sowie deren Nachbarn in dichten Rauch. Siehste nix, machste nix…

Whistler

Unser erster Stopp nach dem Start in Vancouver ist Whistler. Mit dem Charme eines Schweizer Bergdorfs verglichen wird es häufiger verglichen. Niemandem möchte ich hier zu nahe treten, aber diesen Vergleich halte ich für eine Beleidigung der Eidgenossen. Als 2010 die Olympischen Winterspiele in Vancouver stattfanden, wurden die alpinen Wettbewerbe in Whistler ausgetragen.

Wie die Entwicklung dieses Dorfes war, habe ich zugegebenermaßen nicht recherchiert, aber optisch sieht es mir nach aus dem Boden gestampft aus. Nein, hässlich ist es nicht, aber vom Charme eines traditionellen Schweizer Bergdorfes ist es in meinen Augen weit entfernt. Sehr weit eigentlich! Allerdings laden die Berge rundum auch im Sommer zu allerlei Action ein. Da wir eigentlich die Rockys auf dem Plan haben, verweilen wir nicht lange und begeben uns wieder auf den schönen Highway 99.

Whistler nach Lone Butte

Kurvenreich zieht sich die 99 durch die Berge. An Flüssen und Bächen vorbei, durch enge und weite Täler und streift Tümpel und Seen. Das Wasser darin schimmert smaragdgrün. Und obwohl wir Hochsaison haben und alles in British Columbia ausgebucht scheint, sind die Ufer der Seen leer. Ein Bad im kanadischen Bergsee – das will ich mir nicht entgehen lassen. Man weiß ja nicht, wann man nochmal die Gelegenheit hat in einem grün-blauen See British Columbias zu schwimmen. Als hätte ich geahnt, was kommt…

Noch ein kurzer Tipp am Rande: in Lilloet – da fahrt ihr durch – gibt’s das sympathische Weingut Fort Berens, deren gute Tropfen ihr bei einem Winetasting probieren solltet. Kostenfrei und köstlich.

Lone Butte

Wir übernachten in einem Airbnb in Lone Butte bei einer emigrierten Familie aus den Niederlanden. Unfassbar nette Gastgeber! Sie versuchen sich am Aufbau einer Straußenfarm. Insgeheim hatten wir gehofft, es gebe vielleicht frisches Straußenfleisch zum Abendessen. Dem ist nicht so. Dafür kommt es besser: Wir erleben die „Geburt“ mehrerer Straußenküken.

Hilfe…! Wir werden eingeräuchert

Irritation am nächsten Morgen: Laut Wettervorhersage sollte keine Wolke am Himmel sein. Wieso aber will es einfach nicht hell werden? Und was sollen diese 6° C jetzt um 9:30? Im August! Die Sonne scheint nur ab und zu schwach orangefarben vom milchigen Himmel.

Was ist los? Ja, genau: In der Provinz British Columbia brennt’s. Dankenswerterweise nicht gerade dort, wo wir uns aufhalten und zum Glück sind bislang keine Opfer zu beklagen. Aber es gibt unzählige Waldbrände, verteilt über die gesamte Provinz. Regen ist nicht angekündigt, leider auch kein klärender Wind…

Gray Wells Provincial Park – Outdoor in der Räucherkammer

Ein echter kanadischer Firefighter, klärte uns am Abend zuvor noch über die vielen Waldbrände in der Region auf. Der Rauch verdichtet sich, die Sonne kommt nicht durch, es ist kalt und am Schlimmsten: die Sichtweite beträgt teilweise unter 100 Metern. Anfangs finden wir das noch interessant und ein wenig spooky. Sowas kennen wir nicht.

Aber es wird kein Stück besser. Auch in Clearwater, British Columbia, unserem nächsten Reiseziel hängt die Rauchsuppe. Der Gray Wells Park, ein Tipp der Locals, bietet erstaunliche Wasserfälle, tolle Wandermöglichkeiten, klare Seen, und ist weniger bekannt. Unser Blick auf die dortigen Naturwunder verliert sich aber im Dunst.

Spahats Falls

nur fünf Gehminuten vom Parkplatz entfernt, eigentlich mit echtem WOW-Effekt.

Moul Falls

Fußweg von etwa einer halben Stunde durch den Wald. Nicht so beeindruckend wie die Spahats Falls, aber dafür kann man bis runter kraxeln und wer sich traut, auch dahinter. Hoher Spaßfaktor, aber es wird nass!

Helmcken Falls

141 m stützt das Wasser hinab. Damit ist dieser Wasserfall fast dreimal so hoch wie die berühmten Niagara Fälle.

Die Luft steht und wir haben den Eindruck, es verschlimmere sich weiter. Mittlerweile kratzt der Rauch im Hals. Heute lächeln wir nur müde über deutschen Feinstaub.

Abbruch, Abbruch!

Keine Wetterbesserung in Sicht, sagt die Vorhersage, die Webcams aller Highlights rund um die Nationalparks in Jasper und Banff zeigen die gleiche traurig-rauchige Suppe und die Waldbrände in British Columbia nehmen weiter zu. Sogar Edmonton und Calgary in der Nachbarprovinz sind eingenebelt. Ebenso die nordwestlichen Staaten der USA. Es ist ein Jammer, aber wozu hinfahren, wenn wir nichts sehen würden? Ach, was soll’s. Das trinken wir uns schön…Im Okanagan Valley, der Weinregion Kanadas geht’s weiter.

Macht’s besser oder nach: Unsere 3 Tipps für British Colombia

Wildfire sucks – vorher Infos einholen

Unterkünfte in Jasper und Banff weit, weit, weit im Voraus buchen

Mount Robson und Gray Wells  –  von Locals empfohlen. Wohl genau so schön wie die Highlights Jasper und Banff, nur nicht so überlaufen

Dieser Beitrag hat einen Kommentar.

  1. So ehrlich, wie du leibst und lebst, Hanno! Das mit den Straußenküken ist so goldig!!! 😀😀

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